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Neue Westfälische Zeitung, 19. Februar 2006: Scheinriesen und Kaffeemonster

20. Februar 2006

Thomas Müller nutzt Zwerchfelle seiner Zuhörer als Trampolin

VON RALF KAPRIES

Espelkamp-Gestringen . Kollektive Zwerchfellerschütterungen bereitete Thomas Müller am Freitagabend den Besuchern der Alten Schule Gestringen. Alle hatten großen Spaß an seinem Programm “Echt Müller – Ein Scheinriese packt aus!

Der Mann kann etwas – zum Beispiel eine Kaffeemaschine imitieren. Aber Müller ahmt nicht nur des Fauchen der Dampfdüse zum Milchaufschäumen täuschend echt nach, nein, Müller ist dann eine Kaffeemaschine.

Er hat nämlich tief in die Seele dieser Automaten hineingehorcht und hat die verschiedenen Charaktere dieser Maschine entdeckt und verinnerlicht. So kann er sie alle auf der Bühne darstellen, von der schwachbrüstigen, druckarmen, verkalkten deutschen Filterkaffeemaschine bis hin zur feurigen italienischen Espressomaschine mit all ihren Stimmungsschwankungen bis hin zum Dampf und Kaffee speienden Monster. Kein Wunder, dass er mit dieser Darbietung den Schnellschuss in die Elite der aktuellen Comedians schaffte.

Jeder hat sich schon mal als Scheinriese gefühlt. Vorausgesetzt, man weiß was ein Scheinriese ist. Das ist nämlich ein ganz großer Mensch, der immer kleiner wird, je näher man ihm kommt. Schüler kennen dieses Phänomen an sich selbst angesichts fieser Lehrer, Angestellte in Anwesenheit unausstehlicher Vorgesetzter und Männer - wenn man Müller trauen darf - spätestens von der Zeit an, nachdem sie ihrer Angebeteten das Eheversprechen gegeben haben. Ein Gefühl übrigens, dass im Laufe mehrerer Ehejahre zunehmend bekannter werden soll, meint jedenfalls der 34-jährige Moderator, Schauspieler, Comedian, wohnhaft in Köln, Familienstand verheiratet, ein Kind.

Da muss man sich schon mal, um nicht zu ausdauernd zu schrumpfen, auf den Rat seines Psychotherapeuten stützen und sich ganz auf seine Stärken besinnen und sie mutig laut und deutlich aussprechen: “Ich kann eine Kaffeemaschine imitieren.” Zum Beispiel.

Nicht nur ein Gummi-Gesicht, er ist ein komplettes Gummi-Männchen


Das wird aber eine Ehefrau nicht beeindrucken, im Gegenteil. Wer jedoch Thomas Müller dabei erlebt hat, weiß, dass dazu eine ganze Menge Fähigkeiten gehören: Mimik, Körpersprache, Akrobatik, Beweglichkeit auf ganzer Ebene.

Er verfügt nicht nur über ein Gummi-Gesicht, er ist ein komplettes Gummi-Männchen, geht zu Boden, steht wieder auf, hockt, springt, tänzelt, steht Kopf… Das ist nicht nur eine sportliche Leistung, sondern vor allem wahnsinnig komisch. Müller nutzt die Zwerchfelle seiner Zuschauer als Trampolin.

Man fragt sich, ob der schwäbische Buchhalter, also ein Schwabe zum Quadrat und eine weitere Paraderolle Müllers, weiß was er tut, wenn er heiraten will. Angeblich weiß er’s.

Er will nämlich zu seinem Reiheneigenheim noch eine zweite Garage. Was er nicht weiß: Was er damit soll. Aber wie er sie kriegt, das weiß er: Steuerersparnis durch Heirat. Darum ab zum Intensivkurs “Ehe in sieben Tagen” und endlich den Frotzeleien der Kollegen entkommen: “Komm, gehen wir Kaffee trinken. Ich geb’ auch einen aus. Kannst dir’s sonst ja nicht leisten, mit Steuerklasse eins.”

Denn: “Ein Buchhalter mit Steuerklasse eins ist genauso schlimm wie ein Krimineller als Polizeibeamter.” Das ist alles seltsam, aber mit Müller sehr ulkig. “Echt Müller” – echt gut!

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